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Die Maus im All

Veröffentlicht am 27. Mai 2026 · T S

Die Maus im All

Eine Maus die es schafft ins Weltall zu fliegen.

This post contains one chapter.

Der Sturm

Felix hatte den ganzen Nachmittag damit verbracht, Körner und Beeren zu sammeln. Seine kleine Nase zuckte eifrig hin und her, während er über die weiche Erde huschte, die Bäckchen schon prall gefüllt mit den besten Haferkrümeln, die er seit Wochen gefunden hatte. Der Wald roch nach feuchtem Moos und frischer Luft, und Felix war bester Laune. Felix war außerhalb seines Baus auf Nahrungssuche, als es plötzlich dunkel wurde und es zunächst leicht, dann immer stärker zu regnen anfing. Es war, als hätte jemand eine riesige graue Decke über den Himmel gezogen: Die Sonne verschwand, und wo eben noch warmes Licht durch die Baumkronen gefallen war, herrschte nun ein unheimliches, gelblich-graues Dämmerlicht. Ein kalter Wind fegte über den Waldboden und ließ die Blätter in wilden Wirbeln tanzen.

„Oh nein", piepste Felix leise und schaute hinauf in die Wolken, die sich wie dunkle Berge auftürmten. Große Regentropfen klatschten auf seine Schnauze, und er blinzelte erschrocken. Sein weiches, braunes Fell klebte ihm binnen Sekunden am Körper.

Er war zu weit von seinem Bau entfernt, um rechtzeitig dorthin zurückzukehren, deshalb stellte er sich unter einem kleinen Busch unter. Dessen Äste hingen tief herunter und boten wenigstens ein bisschen Schutz vor dem peitschenden Regen. Felix rollte sich so klein wie möglich zusammen und drückte sich an den dicken Wurzelstamm. Sein Herzchen klopfte schnell, viel schneller als sonst.

Der Regen wurde stärker und stärker. Er trommelte auf die Blätter über Felix und rauschte in kleinen Bächen über den Waldboden. Das Donnergrollen kam immer näher, erst wie ein fernes Rumpeln, dann wie ein gewaltiges Grollen, das die Erde zu erschüttern schien. Felix zog die Ohren ganz eng an den Kopf und schloss die Augen.

„Es wird gleich aufhören", flüsterte er sich selbst zu. „Gleich hört es auf, und dann laufe ich schnell nach Hause." Aber das Gewitter dachte gar nicht daran aufzuhören.

Plötzlich zuckte ein grelles Licht vom Himmel herab und schlug genau in den Baum ein, in dem sich sein Bau befand. Das Licht war so hell, dass Felix selbst durch seine geschlossenen Augenlider geblendet wurde.

Er spürte, wie die Luft um ihn herum vibrierte, wie ein heißer Ruck durch den Wald fuhr. Der Knall war ohrenbetäubend, so laut, dass Felix vor Schreck einen spitzen Schrei ausstieß und sich noch tiefer unter den Busch kauerte.

Dann kam der Geruch: verbranntes Holz und Rauch, scharf und beißend, der sich durch den Regen drängte.

Der alte Eichenbaum, in dem Felix schon so lange gewohnt hatte, brach der Länge nach in zwei Teile und fing sofort Feuer. Felix starrte mit weit aufgerissenen Augen auf das Geschehen. Der Baum, in dem er seine weiche Höhle mit getrockneten Blättern ausgebettet hatte, barst mit einem gewaltigen Krachen auseinander. Zwei glühende Hälften stürzten auf den nassen Waldboden. Orangerote Flammen leckten an dem gespaltenen Holz; trotz des strömenden Regens kämpften sie sich durch die Rinde und fraßen sich ins Innere.

Felix konnte sich nicht bewegen. Seine kleinen Pfoten, die sich in die feuchte Erde gegraben hatten, wollten sich nicht rühren. Er sah die Flammen. Er sah, wie die vertraute Wölbung der Baumhöhle, die immer sein Zuhause gewesen war, in sich zusammenfiel.

Sein Bau war verloren. Was sollte er nur tun?

Der Regen begann langsam, das Feuer zu ersticken, aber das machte den Anblick nicht weniger schlimm. Wo der mächtige Baum gestanden hatte, lagen jetzt nur noch zwei rauchende, schwarze Trümmer im Schlamm. Das Knistern des erlöschenden Feuers klang für Felix wie ein trauriges Seufzen.

Er dachte an seine warme Höhle. An den kleinen Vorrat Nüsse, den er sorgfältig versteckt hatte. An das Bett aus Moos und trockenen Blättern, das er sich im Herbst gebaut hatte, so mühsam und so gemütlich. Alles war weg. In einem einzigen, kurzen Augenblick einfach weg.

Langsam lösten sich seine Pfoten aus der Erde. Felix kroch unter dem Busch hervor; der Regen war inzwischen zu einem leichten Nieselregen geworden. Er setzte sich auf seine Hinterbeine und betrachtete die Überreste seines Baumes. Seine Schnauze zitterte, nicht vor Kälte, sondern vor lauter Traurigkeit und Verwirrung.

„Was mache ich jetzt?", fragte er sich, ganz leise, fast ohne Stimme.

Niemand antwortete. Der Wald war still geworden nach dem großen Sturm, als würde er ebenfalls innehalten und nachdenken. Irgendwo in der Ferne tropfte Wasser von Blatt zu Blatt. Ein Vogel wagte einen einzelnen, zögernden Ruf, dann schwieg er wieder.

Felix saß ganz allein im nassen Wald, das Fell vollkommen durchnässt, die Bäckchen immer noch voller Körner, die er nun nirgendwo mehr hinbringen konnte. Er war eine sehr kleine Maus in einem sehr großen Wald, und zum ersten Mal in seinem Leben wusste er überhaupt nicht, was als Nächstes kommen sollte. Aber tief in seiner kleinen Brust, ganz versteckt unter all der Traurigkeit, begann sich etwas zu regen. Etwas, das sich anfühlte wie eine Frage, noch ohne Antwort, aber voller Möglichkeiten.

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